Die Bilder haben im August alle bestürzt: Als das Hohe Venn in Flammen stand. Unmittelbar hinter der deutsch-belgischen Grenze loderte der Brand über Tage und noch heute schwelen möglicherweise Glutnester im Hochmoor. Doch wie ist die Situation aktuell? Ist das Wandern im Hohen Venn überhaupt möglich und sinnvoll? Ich war in Ost-Belgien und habe Wander- und Radwege, Restaurants und Hotels besucht.

Wo genau hat es im Hohen Venn gebrannt?
Das Hohe Venn ist durch die Nationalstraße N 68 getrennt – und während die eine Seite des Naturschutzgebietes verbrannt ist, wurde die andere verschont. Denn die Feuerwehr hat den Brand direkt an der Nationalstraße stoppen können. Wer heute die Straße von Eupen nach Malmedy fährt, erlebt daher zwei Welten: Links verbrannte, verkohlte Ödnis. Rechts bunte Herbstfarben und geöffnete Restaurant-Terrassen, in denen Ausflügler in der Sonne sitzen.


Guter Überblick vom Signal de Botrange
Der höchste Punkt Belgiens, der Signal de Botrange, bietet einen perfekten Blick auf die Szenerie. Der Signal de Botrange ist ein Treppchen, das extra errichtet wurde, um auf 700 Meter zu kommen.

Wandern im Hohen Venn: Venntrilogie und Vennbahn
Der berühmteste Wanderweg im Hohen Venn, die Venntrilogie, ist fast komplett begehbar: Lediglich die Etappe 3, die quer durch das verbrannte Gebiet führt, ist aktuell noch gesperrt. Die örtlichen Behörden haben aber eine Alternative ausgearbeitet:
Die Vennbahn, der legendäre Radweg von Aachen nach Troisvierges, ist auf seinen 125 Kilometern komplett befahrbar.

Welche Routen und Holzstege sind im Hohen Venn aktuell begehbar?
Auf der rechten Seite führen wie gewohnt schwingende Holzstege über das herbstliche Hochmoor: Im Fagne de Polleur, das direkt am Hotel Mont Regi liegt, ist nach der Katastrophe zudem eine neue Wanderroute ausgewiesen worden: Die Landschaft auf dem 7,5 Kilometer langen Weg schimmert goldbraun, der Himmel ist strahlend blau und außer vereinzelten Schritten auf den Holzstegen erklingt kein Laut.



Wandern über Holzstege im Brackvenn – 6,8 Kilometer Tour
Das Brackvenn ist landschaftlich genauso schön wie das Hohe Venn. Der Eingang zur Brackvenn-Tour liegt unmittelbar an der Straße, die Eupen und Monschau verbindet. Parkplätze gibt es hier nur eine Handvoll, aber der Bus verkehrt regelmäßig zwischen dem Brackvenn und Eupen, der Hauptstadt der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien. Eine Anreise mit dem ÖPNV ist ratsam bzw. auch ein Besuch außerhalb der Stoßzeiten, um das Brackvenn nicht zu überlasten.


Sind Restaurants und Hotels im Naturschutzgebiet geöffnet?
Die touristische Infrastruktur im Hohen Venn befindet sich unmittelbar an der Nationalstraße – die Betriebe reihen sich hintereinander auf und alle sind vom Brand verschont geblieben! Vor Ort finden Ausflügler, die das Wandern im Hohen Venn mit einer Einkehr verbinden wollen, folgende Lokale:
- Die Baraque Michel, das bekannteste Restaurant im Hohen Venn, ist eine historische Herberge mit großem Wanderparkplatz.
- Rund 1,5 Kilometer entfernt liegt das Hotel Le Mont Rigi. Hier liegt der bereits erwähnte Zugang zum Fagne de Polleur mit dem neuen Wanderweg.
- Am Signal de Botrange, der knapp 1,5 Kilometer hinter dem Mont Rigi liegt, befindet sich neben dem Aussichtspunkt auch ein großes Naturparkzentrum mit Restaurant.
- Besonders beliebt bei deutschen Urlaubern ist die Brasserie Belgium Peek Beer, die Selbstgebrautes in stylischer Atmosphäre serviert.

Bestehen noch Risiken im Hohen Venn?
Aktuell, Stand Mitte Oktober 2026, darf niemand das Katastrophengebiet betreten. Aber immer wieder überwinden Schaulustige und Katastrophentouristen die Absperrungen. Ein heikles Unterfangen, denn Experten vermuten noch Glutnester im Venn, die jederzeit an die Oberfläche kommen können. Als ich vor Ort war, habe ich einen solchen Feuerwehreinsatz live miterlebt.
Strafen bei Missachtung der Verbote
Wer die Absperrgitter und mehrsprachigen Warnschilder ignoriert und dadurch die Arbeit der Einsatzkräfte erschwert – und natürlich der Natur schadet – muss mit Bußgeldern rechnen. Belgische Forstbedienstete setzen diese Strafen bei den Katastrophentouristen auch konsequent durch. Das gilt auch für die Verbote, die bereits zuvor im Naturschutzgebiet gegolten haben!

Was kann für die Natur im Hohen Venn getan werden?
Von den Behörden ist ein Solidaritätsfond „Gemeinsam für das Hohe Venn“ eingerichtet worden, Spenden sind erwünscht.
Darüber hinaus hat die wallonische Regionalregierung 20 Millionen Euro für die Renaturierung des Naturschutzgebietes und den Brandschutz bereitgestellt.
Was fordern Naturschutzverbände?
Naturschutzverbände wie BUND und Nabu fordern eine konsequente Wiedervernässung des Hohen Venns (und anderer Moore). Über Jahrzehnte wurden die Moore in Mitteleuropa für die Forst- und Landwirtschaft entwässert. Das hat im Hohen Venn wie ein Brandbeschleuniger gewirkt – denn ein intaktes Moor besteht zu 90 Prozent aus Wasser und kann kaum brennen! Moore sind nicht nur wichtige Biotope und schöne Ausflugsziele – sie sind auch für den Klimaschutz von enormer Bedeutung. Vorausgesetzt, sie sind intakt!
